Monday, 27 April 2020

Sprache, Kommunikation, Konflikte...




“There is immeasurably more left inside than what comes out in words. Your thought, even a bad one, while it is with you, is always more profound, but in words it is more ridiculous and dishonorable.”
-
Fjodor Michailowitsch Dostojewski


Ich empfinde Sprachen als etwas Wunderbares. Sie erlaubt es uns Menschen, uns auf verschiedenste Art in Kombination mit nonverbalen Mitteln, wie etwa Gestik, Mimik oder Zeichen zu kommunizieren. Sie bilden somit Ausdrucksformen, die verbindend wirken können. Gleichzeitig zeigen sie uns aber auch die Grenzen des menschlichen Informationsaustausch auf. Nicht alles, was wir fühlen oder denken kann auch gesagt werden. Oder aber es entstehen Missverständnisse, welche die Kommunikation mit unseren Mitmenschen erschweren oder gar verunmöglichen – und das nicht nur, weil eben in einer fremden Sprache gesprochen wird.

Missverständisse führen zu Konflikten, die teils banal sein mögen, oft aber auch schwere Folgen haben können. Die letzten Monate und Wochen haben unser gesellschaftliches Leben aufgrund der Massnahmen zur Bewältigung der weltweiten Pandemie verändert. Auch für mich gab es bedeutende Veränderungen, und manche haben zu Konfliktsituationen in meinem familiären Umfeld oder unter Freunden, geführt. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich bei manch einer Begebenheit wohl besser anders verhalten hätte. Kurzum, mir fehlten schlicht die Erfahrung und Kenntnisse, Konflikten vorzubeugen oder zu schlichten. Umso wichtiger erscheint es mir daher, dass auf gewisse Regeln geachtet werden, um Missverständnisse oder Probleme zu lösen.

Mediation kann ein Mittel sein, Konflikte zu schlichten. Allerdings bedarf es dazu einiger Verhaltensgrundsätze, Regeln, und vor allem: praktische Erfahrung. Sprache kann zum Beispiel Zuneignung, Verständnis sowie Sachlichkeit ausdrücken. Aber wie bei jeder Kommunikationsform kann Sie sich auch in das Gegenteil verwandeln. Ich bin daher mit den Kursinhalt des Moduls Umweltmediation durchaus zufrieden und freue mich auf ansprechende Diskussionen!

4 comments:

  1. Ich stimme dir zu, dass die Sprache etwas wunderbares und hochinteressantes ist oder auch gerade das, was sich hinter dem gesprochenen Wort verbirgt. Ich glaube aber, dass es oft möglich wäre mehr von unseren Emotionen und Gefühlen auszudrücken, wären wir daran interessiert unsere Gegenüber daran teil haben zu lassen. Dies unterlassen wir, um uns selbst oder auch das Gegenüber zu schützen. Ich denke viele Missverständnisse entstehen, weil wir unsere subjektive Wirklichkeit als die einzig Wahre anerkennen und dabei aber die subjektive Wirklichkeit unseres Gegenübers vernachlässigen. Ich denke auch, dass mit geeigneten Werkzeugen, Erfahrung und gewissen Regeln, das Verständnis für das Gegenüber gefördert und somit Konflikte vermieden werden können. Gerade in Anbetracht vergangener Konflikte, war ich zu oft von meiner Wahrheit überzeugt und liess wenig Spielraum für andere Betrachtungsweisen.

    ReplyDelete
  2. Nebst der Willigkeit, unsere Gegenüber an unseren Emotionen und Gefühlen Teil haben zu lassen, braucht es meiner Ansicht nach auch Übung. Anfangs fehlt einem das Vokabular, aber umso mehr man versucht, die richtigen Worte für das Gefühlte zu finden, umso treffender und einfacher können wir uns ausdrücken. Auch in diesem Fall: «Übung macht den Meister». Gemäss meiner Erfahrung, wird in der Erziehung (und später in der Schulbildung), besonders in der Schweiz, die allgemeinen mündlichen und schriftlichen Ausdruckskapazitäten sehr wenig gefördert - was den Ausdruck der eigenen Emotionen noch viel schwieriger macht. Schade, denn Worte können uns viele Türen öffnen, und uns eine grosse Freiheit ermöglichen.
    Dass Wortgewandtheit und eine konstruktive Konfliktkultur auch Übungssache sind gibt mir den Mut, Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen, sondern mit mehr Neugier und Offenheit zu begegnen.

    ReplyDelete
  3. Die zwischenmenschliche Kommunikation und die Sprache als philosophisches Thema finde ich äusserst spannend. Was ist Kommunikation überhaupt? Was sind die Chancen, aber auch was sind die Grenzen, wenn Menschen miteinander kommunizieren? Auch die Frage, des Anfangs und des Ende der Kommunikation. Ohne religiös sein zuu wollen, fällt mir mir dazu ein Zitat aus dem Talmud ein:

    Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
    Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
    Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheit.
    Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
    Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

    Müssen wir also bereits unsere Gedanken ändern, wenn wir unsere Kommunikationsmuster ändern wollen? In welcher Sprache denken wir und sind die eigenen Gedanken bereits Kommunikation, nämlich Kommunikation mit sich selbst? Falls ja, braucht auch diese Form des Gespräches mit sich selbst gewisse Regeln und Anleitungen?

    Ich finde das Modul lässt sehr viel Raum, um Sprache und Kommunikation auf einer Metaebene zu analysieren, diskutieren und philosophieren. Und dennoch bietet es eine handfeste Anleitungen, wie man man die Sprache als Werkzeug einsetzen kann. Das gefällt mir ebenfalls sehr.

    ReplyDelete
  4. Lieber Thomas, liebe alle
    Wow - bin ganz beeindruckt! Nur schon das Zitat am Anfang von Deinem blog finde ich sehr ansprechend! Und dann haben Deine Überlegungen offensichtlich etwas ausgelöst, wie ich auch aus den beiden Kommentaren dazu sehe. Vielen Dank, dass Ihr Euch alle auf dieses online Experiment einlässt und Euch hier wirklich Gedanken macht.
    Ich stimme Euch zu - seine Gedanken und eben auch Gefühle in Worte zu fassen, ist nicht einfach, aber man kann es üben. Und was nun mit all diesen Fragen und tools vielleicht anfangs noch gestelzt und künstlich/unnatürlich daher kommt, wird mit der Zeit immer mehr in eigene Worte gefasst. Ich fände es schön, wenn ihr so Eure Sprache, Eure Art zu kommunizieren im Modul etwas erweitern könntet.
    Danke - Euch allen! Liebe Grüsse, Petra

    ReplyDelete