Ich schätze, nahezu jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens,
sei es durch Kindheitserfahrungen, die berufliche Karriere, Interessen, Beziehungen
und so weiter, seine ganz eigenen Grundsätze und Einstellungen, von welchen
der- oder diejenige nur ungern abweicht. Mitunter sind persönliche Aspekte oft einer der
Hauptgründe für das Scheitern von Verhandlungen.
Das Konfliktszenario Hasenwald v Kies zeigt eine realistische und zeitgenössische Konfliktsituation relativ
detailgetreu nach. Die Positionen und Beweggründe der Parteien wirken kohärent
und erlaubten gleichzeitig einen gewissen Handlungsspielraum. Infolgedessen
entwickelten sich die Gruppendiskussionen sehr variabel: vom sanften Ideenaustausch
zum politischen Schlagabtausch war alles vorhanden. Sicherlich spielte auch die
bisherige Verhandlungserfahrung eine bedeutende Rolle, wobei meiner Ansicht
nach Sachkenntnis und Allgemeinwissen ebenso wichtig sind. Zusammenfassend war ich
demnach mit der Aufgabenstellung, der Diskussion und Auswertung zufrieden.
Aus meiner beruflichen Erfahrung (ich habe mehrere
Jahre Personen in Notsituationen beraten) und teils persönlichen Erfahrungen
bin ich allerdings etwas skeptisch, was solche Szenarien angeht. Wie eingangs
erwähnt, sind Verhandlungspartner immer auch durch persönliche Erfahrungen geprägt,
welche den Diskussionsverlauf normalerweise bedeutend prägen. Ein Konfkliktszenario
mag demnach authentisch sein, bleibt für mich aber dennoch realitätsfern. Daher
finde ich solche Szenarien gut, um grundsätzliche Verhandlungsstrategien zu
erlernen, bereiten die Teilnehmer aber nur unzureichend auf “echte” Konflikte vor.
Wie ich aus dem Blog entnehmen kann. hast du schon Erfahrungen mit Verhandlungen. Dies kam sicher in diesem Rollenspiel zugute. Da du dich als Beobachter vorbereitet hast, aber die Rolle als Mediator übernommen hast, und dadurch ins kalte Wasser sprangst, warst du sehr gut als Mediator. Zu Beginn des Gesprächs hast du nach Spielregeln gefragt, das fand ich sehr gut. So konnte sich die zwei Konfliktparteien überlegen, was für sie als wichtig erscheint. Als Mediator hast du auch die Standpunkte sehr gut paraphrasiert und zusammengefasst sowie nachgefragt, ob alles korrekt verstanden wurde. Was ich weniger gut fand, ist, dass der Mediator immer zuerst die Vertreterin der Stadt zu Wort kommen liess. Dadurch wurde mir bewusst, dass es sehr wichtig ist zu Beginn der Sitzung mit allen Beteiligten zu vereinbaren, ob es sinnvoll ist eine Reihenfolge, wer als erstes zu Wort kommt, festzulegen oder ob der/die MediatorIn selber entscheiden kann, wen er/sie zu Wort kommen lässt.
ReplyDeleteLieber Thomas
ReplyDeleteVielen Dank für diese interessanten Überlegungen. Das Szenario ist wirklich 'echt' und wurde nur leicht abgeändert. Das hast Du richtig gesehen. Allerdings bin ich ziemlich überzeugt, dass man mit solchen Rollenspielen auch auf echte Konflikte vorbereitet wird. Natürlich geht es dann nicht darum, dass man eine Kiesgrube verhindert oder ermöglicht, aber, dass man so Fragetechniken üben kann, das Paraphrasieren oder auch mal sieht, welche Wirkungen solche tools haben können, denke ich schon. Mit der Zeit kommen Ich-Botschaften und hypothetische Fragen dann viel einfacher über die Lippen - und damit kann der Verlauf des Konfliktes verändert werden. Aber klar - vielleicht lernen nicht alle gleich. Ich bin gespannt, ob Du Deine Meinung nach dem dritten Rollenspiel dann noch änderst. Fände ich interessant zu hören!
Liebe Grüsse
Petra
Lieber Thomas
ReplyDeleteIch war sehr beeindruckt, wie gut du in die Rolle des Mediators geschlüpft bist. Du hast eine gute Struktur in das Gespräch gebracht und nach jeder Aussage der jeweiligen Partei das Gesagte paraphrasiert. Das war einerseits gut um das Gesagt der Gegenpartei noch einmal aus einem anderen Mund zu hören, andererseits zeigte es mir nochmal was ich gesagt habe und was mir wirklich wichtig ist. Das einzige was mich an der Gesprächsführung gestört hatte, war dass du immer zuerst die Stadt nach ihrem Standpunkt gefragt hast. Wir haben dies dann in der Feedbackrunde noch diskutiert und sind meiner Meinung zu einem guten Schluss gekommen, wie man dies handhaben könnte. Ich habe dies dann im folgenden Rollenspiel als ich Mediatorin war gleich angewendet.
Ich finde deine Gedanken sehr spannend, inwiefern uns die Rollenspiele für zukünftige Konfliktgespräche wappnen. Ich erhoffe mir einiges davon, bin mir aber auch bewusst, dass vor allem Kommunikationstechniken geübt werden sollen.
Liebe Grüsse, Rebecca
Ich finde deine Gedankengänge sehr spannend zu lesen. Meiner Meinung nach sind Rollenspiel ein guter Einstieg in das Thema, vor allem um Technikgrundlagen auszuprobieren und ein erstes Mal anzuwenden. Als Startpunkt finde ich solche geschützten Umgebungen gut. Für weitere Anwendungen im Alltag braucht es aber sicher mehr. Da du über mehr Erfahrung verfügst, mag es für dich vielleicht etwas einfach wirken. Du hast sehr gut den Konfliktparteien zugehört und paraphrasiert.
ReplyDeleteIch möchte mich auch hier nochmals bedanken, dass du in der ersten Runde die Mediatorrolle spontan übernommen hast. Ich denke, man hat dir deine Erfahrung schon angemerkt. Was ich noch spannend fände wäre, wie du in der zweiten Runde auf die doch etwas emotionalere Diskussion als Mediator gewirkt hättest.
Liebe Grüsse
Cécile