Notengebung – immer ein “explosives” Thema bei
universitären Arbeiten, insbesondere wenn es sich um Gruppenarbeiten handelt, bei
welchen die unterschiedlichsten Charaktertypen aufeinandertreffen. Das hat sich meiner Ansicht nach auch während
der Diskussionsrunden in der fünften Lektion des Moduls ganz klar gezeigt.
Solange die Thematik sachlich diskutiert wurde,
konnte die Mediation relativ einfach geleitet und eine pragmatische Lösung
erreicht werden. Alsdann in einer zweiten Diskussionsrunde die interpersonellen
Differenzen zutage traten wars vorbei mit dem Einklang – für mich ein geglücktes
Szenario, da sich Meinungen und Beziehungen selten einfach so ausblenden
lassen. Dementsprechend war die Diskussion äusserst zäh und schwierig zu
leiten. Ich hatte dementsprechend Mühe, in der kurzen Zeit eine
zufriedenstellende Lösung zu initiieren.
Für nicht beteiligte Personen mag die
Problematik banal wirken - im Vergleich etwa zu der Diskussion über
Pharmaverträge/Medikamentenproduktion zwischen zwei juristischen Personen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die
Auswirkungen unterschiedlicher Notengebungen gering sind, da alle Gruppenmitglieder
so oder so das Modul bestanden hätten.
Das Problem handelt daher eher von Wertschätzung,
oder vielleicht dem Gefühl mangelnder Wertschätzung der geleisteten Arbeit. Ich
denke jeder hat schon mal unter ungenügender Anerkennung gelitten, auch wenn oft
das Gefühl das eigentliche Problem “überlappt” – und es dadurch unnötigerweise
verstärkt. Viele Konfliktsituationen liessen sich vermeiden, wenn man die Dinge
rein sachlich betrachten würde, aber das ist natürlich nicht möglich. Daher ist
es in solchen Situationen wohl einzig möglich, durch Methodik positive Gefühle in
den Konfliktpartnern auszulösen.
Ich denke die "Explosivität", die du in Bezug auf die Gruppennotendiskussion ansprichst, hat eben damit zu tun, dass verschiedene Ansprüche von Studierenden mit unterschiedlichen dahinterliegenden Interessen zusammenkommen. Dem einen ist es egal einfach eine genügende Note zu erhalten, der anderen eben nicht. Das haben unsere Gruppenmitglieder*innen ja sehr gut gespielt. Ich denke da kann man mit einem pragmatischen Argument nicht wirklich weiterkommen. Die zusätzlichen interpersonellen Konflikte, die noch dazukamen, sind ja dann noch eine weitere Ebene...
ReplyDeleteLieber Thomas
ReplyDeleteJa, Meinungen und Beziehungen lassen sich «selten einfach so ausblenden». Ich denke auch eine «pragmatische Lösung» kann nur gefunden werden, wenn die – wenn auch vielleicht zuerst versteckten - Interessen der Teilnehmenden befriedigt werden können. Ich glaube, das haben wir in beiden Runden nicht erreicht, aber das war ja auch zu erwarten in dieser kurzen Zeit! Du hast auf jeden Fall in deiner Rolle als Mediator gute Fragen gestellt und immer wieder das Gehörte zusammengefasst. Mit etwas mehr Zeit hätten wir wahrscheinlich auch eine für alle stimmige Lösung gefunden :)
Lieber Gruss
Mirjam
Hallo Thomas
ReplyDeleteIch finde, du hast es auf den Punkt gebracht. Diese Überlappung von Sachlichkeit und Emotionen ist echt ein Knackpunkt, aber gehört eben auch dazu.
Du bist ja recht spontan in die Mediatorenrolle geschlüpft - meiner Meinung nach hat man das dir aber nicht angemerkt. Dein Auftritt war souverän und ich als Teilnehmerin habe mich ernst genommen gefühlt.
Dass in der kurzen Zeit keine zufriedenstellende Lösung gefunden wurde ist absolut verständlich, dafür hätten wir eindeutig mehr Zeit benötigt. Ich fand es sehr spannend mit anzusehen, wie die Mediation plötzlich sehr anspruchsvoll wurde, als die Zusatzinformationen ins Spiel kamen. Es wäre sicherlich interessant und lehrreich gewesen, das Rollenspiel noch weiterzuführen. Wir werden sehen, wie die Mediation nächste Woche läuft, wenn wir mehr Zeit für die verschiedenen Phasen haben!
ReplyDeleteLieber Thomas
ReplyDeleteVielen Dank für diesen interessanten Input. Du hast sicher recht - eigentlich ist das Thema banal, aber eben auch nicht. Wertschätzung der eigenen Arbeit, Innenansicht und Fremdbild....all das gilt es hier zu entflechten, aufzunehmen, gegenseitig aufzuzeigen. Das dauert und kann nicht in 10 min erreicht werden. Was ich spannend finde, ist, dass dies bei Eurer Gruppe offensichtlich erst in der zweiten Runde mit den Zusatzinformationen so richtig sichtbar wurde. Das finde ich sehr spannend und bestärkt mich auch darin, weiterhin zwei Runden spielen zu lassen. Danke!
Liebe Grüsse
Petra